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04. Mai 2010
Outsourcing bedroht vor allem Hochqualifizierte

special Jobmarkt spaltet sich in »Festangestellte« und »Zeitarbeiter«

Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung warnt vor »Jobs zweiter Klasse«: der Spaltung der Belegschaften in »Zeitarbeiter« und »Festangestellte«. Der Trend zu Ingenieurdienstleistung und Outsourcing verändert in machen Branchen bereits das Anforderungsprofil an Ingenieure.

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ZDF 
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In einer ZDF-Reportage geriet Audi-Personalchef Werner Widuckel in Erklärungsnot: Setzt Audi viel stärker auf zeitarbeitende Ingenieure als er zugeben will?

Rund 11,3 Millionen (42 Prozent) aller sozialversicherungspflichtigen Jobs in Deutschland sind potenziell ins Ausland verlagerbar, hat im vergangenen Jahr das Institut für Weltwirtschaft in Kiel in einer Studie publiziert. Gefährdet sind dabei nicht etwa nur Billigjobs, sondern vor allem die Stellen von Hochqualifizierten in der Industrie. Die Wissenschaftler vom IWF haben mehrere hundert Berufsprofile ausgewertet und analysiert, ob der inländischen Standort und die Anwesenheit am inländischen Arbeitsplatz entscheidend ist. In vielen Fällen - siehe oben - war es das nicht. Noch gebe es in vielen Ländern zwar noch nicht genügend qualifizierte Fachkräfte, um deutsche Spezialisten zu ersetzen. Aber Staaten wie China, Indien oder Brasilien holten bei der Qualifizierung stark auf, so das IWF. Eine Lösung liege in der Steigerung der Produktivität deutscher Fachkräfte.

Die Nutzung von »Shared Services« ist in global agierenden Konzernen längst üblich. HP lässt seine Gehaltsabrechnungen in Manila erstellen, das Rechnungswesen sitzt in Ungarn, aber vielleicht auch bald im noch billigeren China.

Aber es geht um viel mehr. Der Trend zu Ingenieurdienstleistung und Outsourcing verändert in machen Branchen bereits das Anforderungsprofil an Ingenieure. Vor allem die Automobilindustrie, aber auch IT- und Softwareanbieter arbeiten hart daran, nicht nur Produktion, sondern auch Teile der Entwicklung global auszulagern. Dazu sind mehr oder weniger genormte Teilschritte nötig, die die Arbeitsweise der Ingenieure verändern. (Mehr dazu berichtet ein Radio-Feature auf SWR 2, das als Podcast heruntergeladen werden kann.)

Ein großer bayerischer Automobilhersteller verfüge inzwischen nur noch über »Projektverwalter«, kritisieren Insider: »Die wissen nicht mehr, wie richtige Ingenieursarbeit geht!«. Echte Spezialisten mit Köpfchen seien gar nicht mehr gefragt. Die eigentliche - für die meisten Ingenieure also »spannende« - Arbeit wird von Dienstleistern gemacht, die man von den Kosten her auspressen kann wie eine Zitrone und bei fehlender Auslastung nicht mehr beschäftigt. Diese Flexibilität schütze bestehende Arbeitsverträge, heißt es. Auch Audi sucht einer ZDF-Reportage zufolge offiziell Ingenieure, setzt aber in Wirklichkeit auf die Zeitarbeiter der Dienstleister, was Audi-Personalvorstand Werner Widuckel bestreitet. (Mehr dazu auf YouTube unter »Audi-Personalchef in Erklärungsnot«).

Eine brandneue Studie der Bertelsmann-Stiftung warnt vor der Spaltung deutscher wie auch europäischer Belegschaften in »Zeitarbeiter« und »Festangestellte«. Zeitarbeit sei mitnichten - so wie einst von der rot-grünen Bundesregierung geplant - ein Sprungbrett in eine Festanstellung. Lediglich sieben Prozent bekämen nach ihrem Einsatz als Zeitarbeiter eine Festanstellung bei dem ausleihenden Unternehmen angeboten, so die Studie. Und längst nicht  mehr dienen Zeitarbeiter lediglich als Puffer für Auftragsüberhänge, so die Bertelsmann Stiftung. Vielmehr habe sich die Zeitarbeit zu einem eigenständigen, dauerhaften Segment auf dem Arbeitsmarkt entwickelt. In Jobs zweiter Klasse: geringer bezahlt und immer wieder potenziell von Arbeitslosigkeit (»Nichtererbstätigkeit«) unterbrochen. So wie bei »Michael«, der seinen Fall auf www.gruendersite.de schildert: »Ich gehöre zu einer Gruppe von vier Ingenieuren (TU, Maschinenbau und E-Technik), die über einen Ingenieurdienstleister seit ca. drei Jahren für einen bayerischen Automobilhersteller in der Entwicklung tätig sind. Die erhoffte Übernahme ist leider für keinen wahr geworden. Die Werkverträge wurden regelmäßig ganz kurz vor Ablauf immer um einige Monate verlängert. Eine längerfristige Planung ist leider für keinen von uns möglich. Bei einer Übernahme müsste der Konzern wahrscheinlich erheblich mehr bezahlen (die Gehälter liegen zwischen 2148 bis 2978 Euro Brutto, plus 1,80 Euro Fahrtkostenzuschuss pro Tag. Jeder von uns versucht zu wechseln, das ist aber zur Zeit schwierig, vor allem mit dem Zeugnis eines Dienstleisters.«

Noch sind die allermeisten Jobs in Festanstellung, lediglich 1,6 Prozent aller Arbeitsstunden werden von Zeitarbeitern geleistet. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit im Mittelfeld. Andererseits sind diese 1,6 Prozent das Ergebnis einer Verdopplung zwischen 2000 und 2007, so die Bertelsmann-Studie.

Immer billiger, immer austauschbarer - ein Trend? Die Kapitalrendite gibt den Takt vor. »Lean« muss es sein, der Druck, weltweit nach den günstigsten Konditionen zu suchen, steigt. »Guten Leuten muss man absagen«, soll ein hochrangiger Personaler eines großen Automobilzulieferers gesagt haben.

Der VDI empfiehlt indes, die Fachkräftelücke unter anderem mit älteren Arbeitnehmern zu füllen. Solchen wie Anneliese Rober, die ihren richtigen Namen nicht nennen will, weil sie und ihre Kollegen Repressalien befürchten. Sie kann über »Fachkräftemangel« nur bitter lachen und berichtet, in den letzten Monaten seien »mengenweise« langjährige, verdiente Mitarbeiter regelrecht rausgemobbt worden. Manche mit Abfindungsverträgen, oft ohne. »Jedem Studierenden würde ich nur dringend empfehlen, sich vor einer Bewerbung  intensiv zu informieren, wie die Umgangsgepflogenheiten der Konzerne mit Mitarbeitern im mittleren Alter sind - und jeder wird mal älter! Leider gehen Betroffene nicht an die Unis und informieren dort über die ›bewährten‹ Methoden des ›modernen Personalmanagements‹, sagt sie bitter.